Hüttenbacher Klapperer 2020

Hüttenbacher Klapperer 2020

Karfreitag / Karsamstag und Klappern gehören so zusammen wie Palmsonntag und Palmzweige. Die Zeit um Ostern, insbesondere die Karwoche, bringt gleich mehrere uralte Traditionen und Bräuche mit sich. Da sie nicht nur alt, sondern auch sehr beliebt bei den Menschen sind, …fiel es natürlich verdammt schwer zahlreiche dieser „österlichen Traditions-Veranstaltungen“ heuer ausfallen zu lassen. Lahmgelegt durch eine Virus-Krankheit häuften sich Anfang April die Meldungen in sozialen Medien und in einigen Zeitungen: „Ostern fällt heuer aus. Alle Veranstaltungen sind abgesagt.“

Wirklich ALLE ? Nein, zum Glück nicht. Auf Anregung des Bistum Trier, des Bistum Bamberg und zahlreicher österreichischen Pfarreien war allen Beteiligten schnell klar: Wir klappern auf jeden Fall. Diesmal (wegen Ausgangsbeschränkungen zur Virus-Eindämmung) einfach von Zuhause aus. Unter dem Hashtag #WirKlappernZuHause reihten sich im Laufe der Karwoche immer mehr Pfarreien und regionale Gruppen ein. Schon bald wurde auch die Bevölkerung mit Zeitungs- oder YouTube-Video Aufruf auf das Vorhaben aufmerksam gemacht – und direkt eingeladen „mit zu machen“.

Die Anwohner spielten auch in der Planung der Bühler Minis (Abteilung: Die Klapperer) eine entscheidende Rolle. Es war allen Verantwortlichen im Klapper-Team von Anfang an klar: „Einen Straßenumzug würden die Behörden nicht genehmigen. Also Plan B: Nur wenn es uns gelingt genügend Bürgerinnen und Bürger zum mit-klappern zu bewegen, haben wir eine reelle Chance das ganze Dorf zu beschallen (so wie es die Jahre zuvor der Fall war).“ Gesagt. Getan. Geholfen. Nun musste improvisiert werden!

Verständlicherweise konnte sich nicht jeder, der über Tausend Einwohner Hüttenbachs, in der kurzen Zeit eine eigene Klapper bauen. Also wurden kurzerhand einfach Küchengeräte und Haushalts-Gegenstände zu Rasseln, Klappern oder Trommeln um funktioniert. Und während die Dorf-Bewohner bereits fleißig ihren Nachbarn und Bekannten von der Aktion berichteten, waren die Bühler Minis (als Veranstalter) auch nicht untätig. Sämtliche ehemaligen (auch die auswärtigen) Klapper-Buam und -Madla wurden kontaktiert und angefragt, ob sie bitte ihre alte Klapper an einen Aktions-Teilnehmer vorübergehend verleihen oder wahlweise selbst mit-klappern könnten?! Und über das Internet wurden nochmals fast vier Dutzend kleine Holz-Ratschen (wie man sie vom Fußball oder Radrennen kennt) bestellt und am Tag vor dem offiziellen Aktions-Start an Familien und Schüler in Hüttenbach verteilt… mit der Bitte: Fleißig mit zu ratschen!

Dann war es soweit: Die Aktionstage (Karfreitag und Karsamstag) waren da! Obwohl es sich „nur“ um zwei Kurz-Einsätze handelte (jeweils um 15 Uhr für circa drei Minuten vor dem Haus klappern.), waren doch alle im Orga-Team etwas angespannt. Würde der Plan auf gehen? Können die Hüttenbacher tatächlich alle vereint den Klapper-Brauch aufrecht erhalten? Die Spannung stieg, die Minis und Anwohner waren auf Position und Alle blickten auf ihre Uhr.

Um Punkt 15 Uhr (Die Sterbestunde Jesus Christus, an die mit den Klappern erinnert werden soll) ging es los: Eine wilde Klapperei und Ratscherei setzte in fast allen Straßen Hüttenbachs ein. Die Ministranten aus Hüttenbach, Simmelsdorf und Diepoltsdorf konnten von ihren Standorten aus (sie waren im Dorf an wichtigen Punkten bzw. Kreuzungen verteilt), gleich mehrere dutzend „Gast-Klapperer“ sehen oder hören. Und wie sie alle präsent waren, Wahnsinn! Man hatte das Gefühl „halb Hüttenbach“ hockt in diesen Minuten am Fenster, hört einfach nur gespannt dem Geräusch-Pegel da draußen zu Oder mischt sogar selbst im gemeinschaftlichen Klappern und Lärmen mit. Jedenfalls konnten die beiden (zusätzlich zu den „Standort Klapperern“) eingesetzten Fahrrad-Familien, während ihrer Klapper-Rundfahrt durch Hüttenbach, mehrere kleine Nachbarschafts Klapper-Runden (quer über die Straßen und Gassen hinweg) beobachten. Immer wenn die Fahrrad-Klapperer oder die Standort-Klapperer los ratschten und klapperten – kam als direkte Antwort ein eifriges „Ge-klapper“ und „Gerassel“ von den Anwohnern zurück.

Eine kleine Übersicht zu den wichtigsten Schauplätzen an den Kar- bzw. Klapper-Tagen: In Hüttenbach-Süd hatten sich die Diepoltsdorfer Minis mit Klappern vor der Kreuzkirche bzw. vorm Zahnarzt positioniert. Ein Sichtkontakt und ein Geräusch-Kontakt zwischen beiden Punkten konnte hergestellt werden… Genau dazwischen lag die Schulsiedlung, wo eine Familie am Lerchenbühl und zwei Familien in der Schulstraße nach anfänglichen Zögern im Laufe der Aktion lauter und besser in Schwung kamen. Sehr schön, So macht gemeinsames Klappern im Schul-Viertel Spaß. Danke.

Im Bereich zwischen Auto-Hirluksch, Hopfenbeet, Kindergarten und Josef-Otto-Kolb-Straße hatten sich gleich mehrere Familien zum Klappern in Garten und Hof verabredet. Sogar ganze Generationen nahmen (jeder auf seinen Grundstück stehend) Sicht- bzw. Klapper-Kontakt zueinander auf und heizten sich gegenseitig kräftig ein. Durch den starken Ost-Wind war es manchmal nicht so einfach die jeweils nächste Straße zu hören, aber zumindest die eigene Straße war TOP vertreten & zu hören, und die vorbeifahrenden Autofahrer bedankten sich winkend oder hupend für das Klapper-Konzert.

Der Blütenweg und die gegenüber an der Haunachstraße/Ecke „Frieden“ liegenden Wohnhäuser waren fast vollzählig vertreten. Hier standen die Menschen sogar mit Holz-Stöckla, Tröten oder Ratschen auf der Straße und unterhielten nicht nur die Hausfenster-Zuhörer sondern auch den vorbeifließenden Straßenverkehr, der an diesen Feiertagen überwiegend aus Radfahrern bestand. Super, ihr fleißigen Klapperer im Bezirk Hüttenbach-Mitte.

Im Schloß-Viertel waren unsere Fahrrad-Klapperer und einige Anwohner eingeteilt zum Klappern. Während die Radler die Schloßgasse mehrfach entlang fuhren und dabei lautstark und wild in die Häuser-schluchten und Winkel der Gasse hinein klapperten… saßen Mitbürger beim Kaffeekränzchen im Hinterhof oder im Garten und hatten sichtlich Spaß dabei dem Fahrrad-Korso mit Ratschen, Topfdeckel schlagen und Rasseln zu antworten. Spitze, tolle Atmosphäre.

In Hüttenbach-Nord leben gleich mehrere ehemalige Klapperer mit ihren Familien, wodurch es nicht so schwer war Klappern bzw. Teilnehmer auf zu treiben. Während im Föhrenweg gleich zwei Klappern von einer Person geschlagen wurden! – Kamen am Hohen Anger die Familien auf ihre Balkone und Terassen und antworteten mal dem Föhrenweg, mal den Fahrrad-Klapperern mit original Klappern, Kochlöffel schlagen oder einfach Stöckla schlagen. Auf unsere Ehemaligen ist Verlass! Super, Danke fürs Mitwirken und mit-Klappern.

Im Bezirk „Hüttenbach Sankt-Hubertus“ war die Teilnehmer-Zahl relativ gut. Der Frühanger und der Erzberg wurde mit zwei katholischen und einer evangelischen Familie quasi „ökumenisch“ be-klappert (sehr zur Freude der zufällig vorbei kommenden Wanderer). In der Kaltenhofstraße saßen jüngere und ältere, Familien und Einzelpersonen… bunt gemischt in ihren jeweiligen Gärten und trommelten, Ratschten und klapperten mit allem, was so zu finden war im Haus, munter drauf los. Super, dass ihr euch so aktiv eingebracht und mit geklappert habt. Echt stark!

Zusätzlich wurden alle Straßen, für die kein Teilnehmer gemeldet war, am Schluss nochmal mit den beiden Fahrrad-Klapper-Trupps abgefahren und abgeklappert. Somit konnte der Klapper-Brauch auch in die entlegensten und weniger dicht besiedelten Straßen, Wege und Gassen von Hüttenbach gebracht werden. Und darum gehts ja letztendlich auch: Traditionen zu bewahren (egal was kommt) und Oster-Bräuche lebendig darzustellen. Wenn also jemand zu dir sagt: „Ostern 2020 – fällt doch aus.“ Dann Antworte ihm einfach: „Nein, es findet nur auf andere Art und Weise statt.“ – Klappern Daham, Es ging auch von Zuhause aus!

In ganz Hüttenbach wird die Teilnehmer-Zahl auf circa 80 Personen geschätzt! Dies dürfte somit neuer Rekord bei den heimischen Klapperern sein. Respekt ihr Hüttenbacherer Klapperer. Ein ganzes Dorf zog an einem Strang, …und so fing Ostern doch noch an! DANKE an ALLE, die dabei waren! DANKE für eure Unterstützung.

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